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„Ein Weltverbesserer“.
Zum 90. Geburtstag von Wilfrid Maximilian Jores

Eine Würdigung von Renate Brucker

 

 

 

Lieber Wilfrid,

zu Deinem Geburtstag möchten wir Dir herzlich gratulieren und Dir danken für alles, was Du in Deinem Leben für eine bessere Welt – gerade auch für eine bessere Welt für Tiere – getan hast.

Einige Male habe ich erlebt, dass ich von Leuten, denen ich auf ihre Frage die Gründe dafür erklärt hatte, dass ich vegetarisch bzw. vegan lebte, eine „Weltverbesserin“ genannt wurde. Ich habe dann zurück gefragt, ob es denn in der Welt tatsächlich nichts zu verbessern gäbe, in meinen Augen sei es ein Armutszeugnis, auf jeden Versuch, die Welt ein wenig besser zu machen, zu verzichten. Wilfrid Maximilian, dessen Geburtstag wir heute hier feiern, kann man im besten Sinne einen Weltverbesserer nennen, und ich denke, das ist das höchste Lob, was man über einen Menschen sagen kann.

Lieber Wilfrid, Du hast Dich nach einem erfolgreichen, aber auch anstrengenden Berufsleben Jahrzehnte für die Rechte der Tiere eingesetzt. Zuerst bei den Tierversuchsgegnern in NRW, wo Wolfgang Dich kennen lernte, dann hast Du – wenn ich mich richtig erinnere am 8. September 1990 in Bonn - eine eigene Gruppe PAKT gegründet. Zuerst war dabei an einen informellen Arbeitskreis gedacht, der dazu beitragen sollte, Unstimmigkeiten zwischen Tierschützern und Tierrechtlern zu beseitigen, Gespräche zu moderieren und den Wunsch nach mehr Zusammenarbeit und Zusammenhalt verwirklichen zu helfen. Später erwies es sich doch als notwendig, einen rechtsfähigen Verein zu gründen.

Bei dieser Tagung in Bonn waren viele Tierschützer und Tierrechtler zugegen, die heute nicht mehr unter uns sind, ich denke zum Beispiel an Frau Prof. Bingener, RA Schindler, Friedel Grünthal und Birgit Mütherich, Gerhard Österreich und Heinrich Potthast.

In den ersten Jahren seines Bestehens hat PAKT viele Themen aufgegriffen, Ideen entwickelt und Diskussionen angestoßen. Eine Reihe sehr anspruchsvoller Tagungen mit Wissenschaftlern, Vertretern von Verbänden, Ministerien, Politik und Verwaltung haben stattgefunden und wurden sorgfältig dokumentiert, z.B. zu den Themen Gentechnik, Tiertransporte, Schlachten, Zoo, Zirkus, Zoohandel, Tierschutzunterricht, um nur einige zu nennen. In der Diskussion wurde immer die ganze Breite der Bewegung von fundamentaler Kritik bis zu praktischen Verbesserungsvorschlägen abgebildet. Dass diese Veranstaltungen und Diskussionen überhaupt stattfinden konnten, das ist Dein Verdienst, denn bei der umfangreichen Vorbereitung konnte Dir kaum jemand helfen. Im Grunde waren ja alle Beteiligten mit ihrem Beruf, ggf. mit ihrer Familie oder auch praktischem Tierschutz schon ausgelastet; das Problem Manpower begleitet und behindert beständig die Tierschutz- und Tierrechtsarbeit, wenn es auch in letzter Zeit – zumindest bei einigen Organisationen – gemildert ist. Auch über dieses Problem – wie kann Tierschutz- und Tierrechtsarbeit professionalisiert und effektiver gemacht werden – hast Du Dir immer wieder Gedanken gemacht. Du – und später auch Dein Nachfolger Edgar Guhde – haben sich fast bis zur Selbstaufgabe eingebracht und in Elisabeth eine engagierte Nachfolgerin gefunden, so dass PAKT heute immerhin schon 26 Jahre besteht. Die Verhältnisse haben sich gewandelt und daher musste sich auch PAKT wandeln, hat aber immer noch eine Stimme unter den inzwischen sehr viel zahlreicheren Tierrechtlern mit neuen und vielfältigeren Aktionsformen. Wie viele Impulse hierzu von Wilfrid oder von PAKT ausgegangen sind, kann man kaum bestimmen, man denke etwa an die von dem PAKT-Mitglied RA Schindler gegründete Albert-Schweitzer-Stiftung, die heute sehr erfolgreich arbeitet, an die Aktivitäten für Tierschutz in die Verfassung oder für das Verbandsklagerecht, die von PAKT sehr aktiv mitgetragen wurden.

Du hast so enorm viel Zeit, Kraft und Mühe eingesetzt, um die Welt ein wenig zu verbessern, dass Du Dir – wie sicher auch manche andere – sich wohl von Zeit zu Zeit die Frage stellen, ob die Erfolge denn die Mühe lohnen. Hierzu sagte der bedeutende Tierethiker Magnus Schwantje 1957 in seiner Schrift „Über die Erfolge der Tierschutzvereine“: „Wenn wir untersuchen wollen, ob wir mit den Erfolgen unserer Arbeit für eine gute Sache zufrieden sein können, so dürfen wir die Erfolge nicht beurteilen nach dem Verhältnis ihrer Größe zu der Größe unserer Misserfolge; sondern wir haben nur zu untersuchen, ob unsere Opfer für die gute Sache größer oder kleiner sind als die Übel, die wir dadurch aus der Welt geschafft oder deren Entstehung wir verhütet haben und ob wir durch Arbeiten für andere Ziele mehr Gutes hätten schaffen können.“ Und er fährt fort mit der Feststellung, „… dass keine andere Bewegung uns die Möglichkeit bietet, eine größere Menge von Leiden unschuldiger und wehrloser Wesen zu verhüten und zugleich der Menschheit größere Dienste zu leisten, als wir es durch die Mitarbeit an der Tierschutzbewegung vermögen.“

Darum danken wir Dir für Deine Opfer und Mühe und hoffen, dass Du auch weiter in diesem Sinne an der Verbesserung der Welt mitwirken kannst.

Renate Brucker

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