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Die ökologischen Auswirkungen der Intensiv-Massentierhaltung


Folgerungen

 

„Nutztierhaltung ist in etwa so alt wie die Sklaverei. Oder die Behandlung von Frauen als Bürger zweiter Klasse. Wir haben in unserer Geschichte vieles getan, was uns heute unvorstellbar grausam erscheint. Was Sklaverei und Frauenrechte betrifft, hat sich unser Bewusstsein erst vor relativ sehr kurzer Zeit geändert - und ist noch keineswegs abgeschlossen. Bei den Tieren sind wir auf dem Weg.“ (Jonathan S. Foer)

 

Unter Intensiv-Massentierhaltung wird die Haltung von Tieren in industriellen, weitgehend automatisierten Großbetrieben verstanden, in denen der Platz pro Tier nicht oder kaum das gesetzlich vorgeschriebene Mindestmaß überschreitet. Dabei werden weltweit jede Stunde rund sechs Mill. empfindungsfähige Wesen für den Fleischkonsum getötet – ohne die Fische.

Unter dem Druck der Gesetzmäßigkeiten der industriellen Güterproduktion wurde die Intensiv-Massentierhaltung in den 60er Jahren zunächst in den USA eingeführt. (1965 Ruth Harrison, Buch „Tiermaschinen“). Sie kam dann über Großbritannien auch nach Deutschland. Es ging darum, so kostensparend wie möglich zu „produzieren“ um wettbewerbsfähig zu bleiben. Es geht darum, möglichst viele Tiere (vor allem Geflügel, Schweine und Rinder) platz-, zeit- und arbeitssparend auszubeuten, mit wenig Personal in immer kürzerer Zeit und mit wenig Energieaufwand auf engem Raum in denaturierter Umgebung möglichst viele tierische Erzeugnisse hervorzubringen. Das Streben nach immer höheren Milch-, Fleisch- und Eierleistungen führte zur Technisierung und Rationalisierung der Viehhaltung ohne individuelle Betreuung des einzelnen Tieres bei Missachtung ihrer arteigenen Bedürfnisse. Die Tiere werden zur standardisierten Produktionseinheit und wie Industrieprodukte behandelt.

Hier nur zwei herausgegriffene Beispiele: Unter natürlichen Bedingungen werden Kühe bis zu 25 Jahre alt. Die durchschnittliche Lebenserwartung einer Milchkuh ist jetzt nur noch 5 Jahre. Die Milchleistung wurde in den letzten zehn Jahren von 4.800 l auf 9.000 l gesteigert, was eine enorme Belastung des Stoffwechsels bedeutet, weswegen schon geringste Fehler in Management und Fütterung zu Erkrankungen führen. 160 Tage währt das Leben eines Mastschweins. Die normale Lebenserwartung beträgt etwa 12 Jahre.

 

Zahlreiche internationale Organisationen und wissenschaftliche Institutionen haben sich in den letzten Jahren vor allem mit den Auswirkungen der Viehwirtschaft und der steigenden Fleischerzeugung auf die Ökosysteme befasst, insbesondere bezüglich des Klimas: Kopernikus-Institut der Universität Utrecht, WWF Deutschland (2009), Max-Planck-Institut für terristrische Mikrobiologie (2007), der International Panel for Sustainable Resource Management des Umweltprogramms der UN, das National Centre for Epidemiology and Population Health der Universität Chicago (2007), das Institute for Food and Development Policy Oakland, der UN-Weltklimarat, American Association for the Advancement of Science, das Medical Institute der Stanford University, die National Academy of Science, Greenpeace Deutschland, Schweiz, Österreich und International (2008), Bundesämter für Umwelt und Landwirtschaft der Schweiz und andere im Folgenden genannte.

„Appell für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Positionspapier von über 100 niederländischen Professoren“, 27.04.2010. Ferner zahlreiche einzelne Autoren. Bahnbrechend bereits Jeremy Rifkin, Beyond Beef. The Rise and Fall of the Cattle Culture. New York 1992. (Dt. Das Imperium der Rinder, 1994)

 

Die erste weltweit bekanntgewordene Studie ist die der Welternährungsorganisation FAO „Livestocks Long Shadow. Environmental Issues and Options“ aus dem Jahr 2006 mit ihren 400 Seiten. Die Viehwirtschaft sei mit 18 % der von Menschen verursachten CO2-Emissionen noch vor dem Verkehr der größte Emissionsfaktor. Die Treibhausgasemissionen der Viehhaltung seien um 40 % höher als der gesamte Verkehr mit seinen 14 % einschl. Flugzeug- und Schiffsverkehr. 8 % des global verfügbaren Trinkwassers würden von der Viehwirtschaft verbraucht, hauptsächlich für die Erzeugung der Futtermittel (nach anderen Studien bis zu 50 %. In den USA gehe fast die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs auf den Anbau von Futtergetreide zurück). Der direkte menschliche Verbrauch (Trinkwasser, Duschen, Industrie etc.) komme auf rund 1 %. 15.000 l Wasser für 1 kg Rindfleisch, die gleiche Menge Getreide benötige nur etwa 450 l. Knapp 50 % der globalen Getreideernte landeten in den Trögen der weltweit rund 20 Mrd. Nutztiere.

 

Dennoch werde dies in den meisten Klimadiskussionen konsequent ignoriert. (Zusatz: Bei Interessenvertretern wie dem Deutschen Bauernverband und den Lebensmittelkonzernen fehlt das Problembewusstsein nach wie vor). Die Nutztierhaltung sei zugleich die wesentliche Ursache für Überweidung, Bodenverdichtung, Bodenerosion und Wasserverschmutzung, für den Rückgang der Artenvielfalt bei Flora und Fauna. Insgesamt gelten 15 von 24 wichtigen Ökosystemen als gefährdet, verschuldet durch die Nutztierhaltung.

 

20 % der weltweiten Weideflächen gelten als zerstört durch Überweidung, Erosion oder Verdichtung. Diese Zahl ist lt. FAO noch höher in Trockengebieten, wo ungenügendes Management zu voranschreitender Desertifikation beitrage.

Mehr als ¼ der Landfläche werde von landwirtschaftlichen „Nutztieren“ beansprucht, 1/3 des verfügbaren landwirtschaftlich nutzbaren Landes für die Futtermittelerzeugung verwendet (so auch „Livestock in a Changing Landscape,International Report“ 2010 der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft). Nach anderen Studien wird auf etwa der Hälfte der weltweiten Ackerfläche Tierfutter angebaut und dazu oft Grünland zu Ackerland umgebrochen. Lt. Umwelt-Bundesamt 60 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Deutschland.

70 % des abgeholzten Amazonas-Regenwaldes seien in Viehweiden umgewandelt worden (nach einem Weltbank-Bericht aus 2003 bis zu 88 %) und der Großteil der restlichen 30 % für den Futtermittelanbau. 80 % der Welt-Soja-Ernte würden an das Vieh verfüttert.

 

Nachfolgende Studien mehrerer Institutionen haben an der FAO-Veröffentlichung bemängelt, dass einige Daten nicht einbezogen worden seien, wie die Treibhausgas-Emissionen durch die Haltung von „Nutztieren“ nach der Regenwaldabholzung, durch Aquakulturen, die Transporte, den Bau von Massentierhaltungsanlagen, durch die zur Kühlung und Erhitzung von Fleisch notwendige Energie, durch die Herstellung von Medikamenten, die haltungsbedingte Krankheiten behandeln, schließlich die THG von Abfällen (Gülle, Knochen) und Nebenprodukten wie Leder und Federn, auch bei deren Verarbeitung.

 

Das World Watch Institute („Livestock and Climate Change“, Washington 2009) errechnete, dass Herstellung und Verbrauch von Fleisch, Milch und Eiern für mindestens 51 % der weltweiten von Menschen verantworteten THG-Emissionen verantwortlich seien statt nur 18 % wie sie die FAO-Studie aussagte. (Höhere Werte berechnete auch der Weltklimarat und die Greenpeace-Studie „Amazon Cattle Footprint“ 2009). Das von den „Nutztieren“ ausgeatmete CO2 müsse in die THG-Rechnung einbezogen werden. Und der Ausstoß von einer Tonne Methan habe einen Effekt wie 23 t CO2.

Selbst wenn man weltweit auf alternative Energien umsteigen würde, alle Glühbirnen durch Energiesparlampen ersetzen und alle Autos und Flugzeuge verbieten würde, so das World Watch Institute, wäre der Effekt für das Klima kleiner als wenn man die Ernährung von tierischen auf pflanzliche Produkte umstellte.

Vor allem die Viehweiden bedeckten ca. 30-33 % der eisfreien Landfläche der Erde bei einer Nutzung durch 1,3 Mrd. Rinder (deren Gewicht zusammengenommen das der gesamten Erdbevölkerung übersteigt. Der deutsche Rinderbestand betrug 2010 12,7 Mill. Tiere). Um 1 kg tierisches Protein zu erzeugen, würden 6 kg pflanzliches Protein benötigt. 1 kg Rindfleisch verbrauchten 22-50.000 l Wasser je nach Art der Viehhaltung (die FAO-Studie gibt 15.000 l an), während für 1 kg Äpfel nur 50 l Wasser nötig seien, und zwar von der Bewässerung bis zur Verarbeitung. Für Salat 79 l.

Das Institut warnt seit Jahren vor den globalen Auswirkungen der Fleischproduktion. Der Fleischpreis müsste sich verdreifachen, wenn man die vollen ökologischen Kosten auf die Rechnung setzen würde.

Auch andere Institutionen wie das „Institut für angewandte Ökologie“ in Freiburg weisen auf die besonders verheerende Klimabilanz des Rindfleisches hin (13,3 kg CO2-Freisetzung pro 1 kg Fleisch) oder „Foodwatch“: Nach deren Studie ist die Fleischproduktion mit 71 % der gesamten agrarischen Produktionen der größte Klimasünder. In der Klimabilanz entspräche 1 kg Rindfleisch ca. 110 km Autofahrt. Nach einer japanischen Studie belastet die Herstellung von 1 kg Fleisch das Klima so stark wie 250 km Autofahrt. Ebenso das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt und Energie.

 

Zu den „Klimawirkungen der Landwirtschaft in Deutschland“ schrieb das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung 2008: „Die Haltung von Milchkühen ist innerhalb der deutschen Rinderhaltung mit 57 % der Treibhausgasemissionen der bedeutendste Verursacherbereich. Rechnet man außerdem die weiblichen Rinder hinzu, die der Nachzucht von Milchkühen dienen, ergibt sich ein Anteil von zusammen 70 % der Treibhausgasemissionen der Rinderhaltung, die unmittelbar der Milcherzeugung zuzurechnen sind.“ (S. 16).

In einer Presseerklärung des Bayerischen Umweltministeriums aus 2007 heißt es, für die Erzeugung von 1 kg Rindfleisch würden 6,5 kg CO2 freigesetzt, für die gleiche Menge Obst hingegen nur ½ kg, Gemüse nur 150 g CO2.

(Lt. Statistischem Bundesamt wurde in Deutschland noch nie soviel Fleisch erzeugt wie 2010, nämlich 8 Mill. t, 302.000 mehr als im Rekordjahr 2009. Und die Bundesregierung will die zunehmende Fleischerzeugung für den Export noch ausweiten. - Der Pro-Kopf-Fleischverbrauch in Deutschland betrug 2010 88 kg (einschl. Geflügelfleisch).

 

Allgemein ergibt sich aus den Untersuchungen, dass – je nach Region – 7-16 kg pflanzliches Futter wie Getreide oder Sojabohnen benötigt würden, um 1 kg Fleisch zu erzeugen. Dabei wird nur etwa die Hälfte der Tiere für den Verzehr verwendet. Die Masttiere fräßen 40-50 % der Welt-Getreideernte und 80-90 % der Sojabohnen. Das wäre somit die effektivste Form der Nahrungsmittelvernichtung! Mit dem Anbau von Getreide könne man auf 1 ha fünfmal mehr Eiweiß erzeugen als mit der Viehzucht, mit Hülsenfrüchten zehnmal mehr. Auf der Fläche eines Grundstücks, die benötigt wird, um 1 kg Fleisch zu erzeugen, könne man im selbem Zeitraum 200 kg Tomaten oder 160 kg Kartoffeln ernten. Fleisch ernährt wenige auf Kosten vieler.

Der Fleischverzehr hat sich außerdem als einer der Hauptverursacher des ökologischen Desasters erwiesen, auf das der Planet zusteuert. Umweltschutz und Fleischkonsum dieses Ausmaßes sind unvereinbar.

 

Als bedeutende THG-Emission wird der Methanausstoß angesehen, weil 23x klimaschädlicher als CO2, der allerdings stark von der Art der Fütterung abhängt (z.B. Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich 2009; Max-Planck-Institut für terristrische Mikrobiologie 2007).

Methan (CH4) entsteht durch Wiederkäuen (Fermentation im Pansen), auch durch Gülle und Stallmist. 37-39 % aller landwirtschaftlichen Methanemissionen seien durch die Tierhaltung bedingt, größtenteils durch die Rinder (so auch FAO und Katalyse, Institut für angewandte Umweltforschung). Eine ernste Methanproblematik gibt es jedoch nur bei Hochleistungsfutter, vor allem bei Maissilage; bei durchgehender Weidehaltung der Rinder und strukturärmeren Futtermitteln wie Getreide und Leguminosen wäre das Methan kein großes Problem. Durch nachhaltige Beweidung wird auf Dauer Grünland erhalten und durch Bildung von Humus CO2 gebunden. Leider werden in Deutschland immer mehr Kühe vom Weideland verdrängt und mit Kraftfutter gefüttert.

 

In den genannten Studien wurde verkannt, dass die ozonschädlichsten durch die Landwirtschaft verursachten Emissionen nicht vom Methan ausgehen sondern von der Stickstoff- Sauerstoffverbindung Lachgas (N2O), das durch die intensive und künstliche stickstoffhaltige Düngung und Überdüngung des Futtermittelanbaus wie Getreide, Mais und Soja entsteht sowie aus dem Stallmist. Lachgas ist 295-310x klimaschädlicher als CO2. Methan im Vergleich 23x. 65 % der Lachgasemissionen sollen aus der Viehzucht stammen (FAO).

Zu diesem Ergebnis kam auch eine Anhörung im Bundestag und eine Veröffentlichung des Umweltbundesamtes. Lachgas verweile bis zu 120 Jahre in der Atmosphäre, Methan nur bis zu 15 Jahre. Richtig wäre eine nachhaltige, auch die Lachgasemissionen eindämmende Weidehaltung statt Überweidung und Fütterung der Rinder mit den genannten Futterpflanzen.

 

Weitere Auswirkungen der Viehwirtschaft: Hohe Nitratbelastung der Böden und des Grundwassers durch die Gülle (ein Rind produziert täglich 60 l Gülle), Überdüngung der Böden und Gewässer durch Stickstoff und Mist, Bodenübersäuerung. Mindestens 50 % der Wasserverschmutzung in Europa gingen auf die Intensiv-Massentierhaltung zurück; Phosphatbelastungen. Die Rückstände der als Leistungsförderer missbrauchten Antibiotika beeinträchtigen ebenfalls das Ökosystem.

Auch das Ammoniak (NH3) aus tierischen Fäkalien spiele beim sauren Regen eine verhängnisvolle Rolle: 64-68 % des weltweiten anthropogen bedingten Ammoniakausstoßes gingen zu Lasten der Viehwirtschaft (FAO).  

 

 

 

Folgerungen 

 

Das Naheliegende forderten schon Pythagoras, Empedokles, Sokrates, Xenokrates, Horaz, Seneca, Plutarch, Porphyrios und andere in der Antike: fleischlose Ernährung. Vor Jahrzehnten Albert Einstein: „Nichts wird die Chance auf ein Überleben auf der Erde so steigern wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“ Heute sind es Fachleute wie der Vorsitzende des UN-Weltklimarats Dr. Rajendra Pachauri: „Ich bin zum Vegetarier geworden. Dies, weil die Produktion eines einzigen kg Fleisch etliche kg CO2 freisetzt. ... Wenn alle Belgier innerhalb eines Jahres an nur einem Tag in der Woche kein Fleisch verzehren würden, hätte das denselben Effekt auf den Treibhausgasausstoß wie eine Million Autos weniger auf den Straßen Belgiens für die Dauer eines Jahres.“ Oder Ralf Conrad, Direktor des Max-Planck-Instituts für terristrische Mikrobiologie: „Keine Rinder mehr essen, auf Milchprodukte verzichten.“ Der ehemalige Chefökonom der Weltbank und Klimafachmann Lord Nicholas Stern (2009): „Der einzige Weg, den Planeten zu retten, ist eine globale Bewegung hin zum Vegetariertum.“

Jeremy Rifkin schrieb bereits 1992: „Heute geht die lange Geschichte der Beziehung zwischen Mensch und Rind ihrer dritten Stufe entgegen. Indem wir uns bewusst dafür entscheiden, das Fleisch des Rindes nicht mehr zu essen, bekunden wir unseren Willen, mit dieser Kreatur ein neues Bündnis einzugehen, das über das Diktat des Marktwertes und des übertriebenen Konsums hinausgeht. Das Rind von den Qualen und der Erniedrigung zu erlösen, denen es in den modernen Mastfabriken und Schlachtbetrieben ausgesetzt ist, wäre als menschlicher Akt von weitreichender symbolischer und praktischer Bedeutung zu begreifen, und es wäre ein Symbol der Reue und Wiedergutmachung, wenn wir darauf verzichten, das Rind zu enthornen, zu kastrieren, mit Hormonen und Ötrusblockern, Antibiotika und Insektiziden zu behandeln und ihm einen würdelosen Tod an den vollautomatisierten Schlachtbändern zu bereiten. Es wäre dies alles ein Zeichen der Erkenntnis der Zerstörung, die wir der gesamten Schöpfung auf unserer Jagd nach der uneingeschränkten Macht über die Natur zugefügt haben. Die Überwindung der jetzigen sogenannten Rinderkultur ist gleichbedeutend mit dem Wandel unserer Vorstellung vom angemessenen Umgang mit der Natur. ... Die Verminderung des Rinderbestandes auf eine ökologisch vertretbare Zahl wird eine Gesundung und Erneuerung der Natur auf allen Kontinenten fördern.“ (Rifkin, S. 252 f.)

Und die Organisation „Welthungerhilfe“ stellte schon vor Jahren fest: „Auch die Menschen in den Industrieländern können ihren Beitrag leisten. Wenn sie weniger Fleisch essen, muss weniger Getreide verfüttert werden.“ („Welternährung“, 1/1996). „Damit die Weltgetreideernte in Zukunft für alle reichen kann, werden die reichen Nationen ihren Fleischkonsum reduzieren müssen. Futtermittel für Masthühner, Zuchtfische, Industrieschweine und Intensivhaltungsrinder sind ein (EU-subventionierter) Luxus, den sich nicht mehr als 15 % der Weltbevölkerung leisten können.“ („Welternährung“, 1/1997)

Als der frühere Präsident Bill Clinton vor ca. 13 Jahren seinen Mitbürgern erklärte, dass 60 Millionen Menschen weniger hungern müssten, wenn die US-Amerikaner nur 10 % weniger Fleisch essen würden, wollte noch niemand diesen Zusammenhang verstehen.

2004 veröffentlichte das World Watch Institute einen Artikel: „Meat – Now, it’s not personal! But like it or not, meat-eating is becoming a problem for everyone on the planet.“

Nach der Foodwatch-Studie „Klimaretter Bio?“ (2009) spart eine vegetarische Ernährung 50-60 % aller Treibhausgasemissionen aus der Agrarwirtschaft, eine vegane 87 %.

 

Unterstellt man die Abschaffung der Intensiv-Massentierhaltung und eine wesentliche Verbreitung des Vegetarismus in überschaubarer Zeit als irreal, so ist die Transformation zu einer sozial-ökologischen Landwirtschaft durchaus nicht nur ein notwendiges sondern auch realistisches Ziel. Konzepte dazu liegen seit Jahrzehnten vor.

Die aktuellen Zahlen für europäische Fleischexporte 2010 brechen alle Rekorde. Allein die Geflügelexporte stiegen um 25 % auf 1,3 Mill. t. Deutschlands Fleischexporte in Drittstaaten stiegen zwischen 8 % bei Geflügel und 17 % bei Schweinefleisch. Dahinter verbirgt sich auch die massenhafte und verantwortungslose Ausfuhr von Fleischresten nach Afrika.

Diese offensive Exportstrategie für lebende Tiere und tierische Nahrungsmittel ist zu unterbinden, stattdessen sind regionale Wirtschaftskreisläufe und die Förderung des extensiven ökologischen Landbaus zu forcieren. Einheimisches, möglichst betriebseigenes Futter verwenden, Förderung der Weide- und Freilandhaltungen. Verzicht auf synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel, zumindest deren Verminderung, geringerer Tierbesatz, keine weiteren Agrarfabriken, keine langen Tiertransporte. Verlängerung der Nutzungsdauer des Milchviehs. EU-weite Förderung mittelständischer bäuerlicher Strukturen.

 

Bezogen auf unser Thema des Klimawandels und der anderen ökologischen Kosten ergibt sich aus dem Ausgeführten die Verminderung der „Nutztier“haltungen und der Fleischerzeugung. „Von allen Problemen der Welt ist die drastische Reduzierung der Fleischproduktion das Wichtigste und Dringendste“ (Prof. Patrick Brown, Stanford University, 2009. Ebenso das Howard Hughes Medical Institute und die National Academy of Science. Weniger Tierbestand desto weniger Emissionen (Bundesamt Landwirtschaft der Schweiz).

Durch weniger intensive Tierhaltung und nachhaltige Futtermittel ließen sich rund 65 % der in der Landwirtschaft klimawirksamen Treibhausgase einsparen. Durch den Abbau der Überschussproduktion bei Fleisch und Milch und den Einsatz von heimischem Futter statt Soja aus Übersee könnte die Klimabilanz der Tierhaltung deutlich verbessert werden. Weniger Fleisch zu erzeugen, hülfe dem Klima mehr als alles andere.

 

Instrumente wären entsprechende ökologische Steuern: Eine Fleischsteuer als Teil einer ökologischen Steuerreform, damit diese Kosten im Verbraucherpreis ihren Ausdruck finden. (Laut World Watch Institute müsste dann ein Rindfleisch-Hamburger das dreifache kosten). Naheliegend ist eine Mehrwertsteuer für Fleisch, Milch und Eier in Höhe von 19 % (wie Alkohol und Zigaretten) statt der 7 %. Pro Jahr sollen dadurch in Deutschland 23 Mrd. € für den Staat zustandekommen.

PAKT e.V. hatte bereits 2000 eine Fleischbesteuerung gefordert. Diese könne auch für den Fall als Steuerungsinstrument eingesetzt werden, dass eine kostenneutrale Neuorientierung der Agrarsubventionen nicht möglich sein sollte. Bedenkt man das Emissionsvolumen einer industrialisierten Intensivtierhaltung, müsse eine solche Fleischsteuer als Bestandteil einer ökologischen Steuerreform ohnehin als obligatorisch betrachtet werden. Im Unterschied zur ökologischen Mineralölbesteuerung sollte sie jedoch budgetbezogen zur Reformierung bzw. Förderung einer extensiven Landwirtschaft verwendet werden. (PAKT, „Agrarpolitische Leitlinien“).

Die Tierrechtsorganisation PETA hatte am 20.12.2007 einen Fleischsteuer-Gesetzentwurf für den Bundestag veröffentlicht. Die FAO empfiehlt die Besteuerung der Fleischerzeugung in ihrem Jahresbericht vom 18. 02. 2010. Auch WWF Deutschland und Schweiz forderten eine Fleischsteuer.

Neuerdings wird Dänemark ab 01.10.2011 eine gegen die gesättigten Fettsäuren gerichtete „Fettsteuer“ einführen. Auch beim Fleisch sollen die Preise je nach Fettgehalt um 3-6 % steigen, die Sechserpackung Eier soll um 20 Cent teurer werden.

Also höhere Steuern auf tierische Erzeugnisse und Futtergetreide (vor allem Kraftfutter), dagegen steuerliche Begünstigung von Gemüse und Obst. Solche Steuern dienten der Verwirklichung des Artikels 20 a Grundgesetz: Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Tiere.

Eine Emissionssteuer  für Lachgas, um diese Emissionen zu reduzieren, müsste sich anschließen. So z.B. gefordert im WWF-„Positionspapier klimaschädliche Landwirtschaft“, 2009. Greenpeace Deutschland und Österreich fordern Klima-Abgaben auf künstliche Dünger und Pestizide. Einführung einer Stickstoffabgabe auf einzelbetrieblicher Ebene.

Denn Aufklärung allein genügt nicht. Die Gier nach Fleisch benebelt den Verstand. Die Leute glauben, ohne Fleisch gehe ihnen etwas ab.

 

Außerdem ist ein Werbeverbot  für die tierischen Erzeugnisse durchzusetzen.

 

Auf längere Sicht ist das Projekt des Fleisches aus Zellkulturen (Retortenfleisch, künstliches Fleisch, Laborfleisch, In-Vitro-Fleisch, kultiviertes Fleisch) von Interesse. Aus Stammzellen sollen in Bioreaktoren Muskelzellen heranwachsen, aus denen Fleisch im Wesentlichen besteht. Dafür müssen die Forscher die Zellen dazu bringen, sich enorm zu vermehren. (Mit Gentechnik hat dieser Vorgang nichts zu tun, da keine Eingriffe in die DNA erfolgen). Bereits 1999 wurde ein weltweites Patent für die künstliche Fleischherstellung ausgestellt, und im April 2008 fand in Norwegen ein „Internationales In-Vitro-Fleisch-Symposium“ statt („When meat is not murder“), unterstützt von der US-Organisation New Harvest. Koordinierte Forschungen finden – von der niederländischen Regierung unterstützt - an den Universitäten Eindhoven, Utrecht und Amsterdam statt, ferner an der Medical University of South Carolina in Charleston, der University of Maryland, dem Touro College New York (NASA-Projekt) sowie in Australien. Das Projekt wird finanziell von PETA unterstützt, die auch ein Preisgeld von 1 Mill. Dollar auf ein marktfähiges Produkt ausgesetzt hat. Man hofft, dass es frühestens um 2020 so weit sein wird.

 

Bis auf weiters das Messer blitzt,

die Schweine schreien,

man muss sie halt benutzen,

denn jeder denkt,

„Wozu das Schwein, wenn wir es nicht verputzen?“

Und jeder schmunzelt,

jeder nagt nach Art der Kannibalen,

bis man dereinst „Pfui Teufel!“ sagt

zum Schinken aus Westfalen.

(Wilhelm Busch)

 

Jeremy Rifkin: Das Imperium der Rinder. Campus Verlag, 1994, 277 S.

Henriette Mackensen: Die Kuh als Klimasünder? Der Einfluss der Nutztierhaltung auf den Klimawandel und Ansätze für mehr Klimaschutz. Landwirtschaft 2008. Der kritische Agrarbericht, S. 231 ff.

Josef H. Reichholf: Der Tanz um das goldene Kalb. Der Ökokolonialismus Europas. Verlag Klaus Wagenbach, 2011, 144 S.

 

 

 

 

Anmerkung

 

Die vorstehende Dokumentation bezieht sich lediglich auf einige Aspekte der Auswirkungen der Intensiv-Massentierhaltung und übermäßigen Fleischerzeugung. Es ist anzumerken, dass die Schäden für Natur und Umwelt, die Volksgesundheit und die Volkswirtschaft noch höher ausfallen. als auszugsweise dargelegt.  Zu beachten wäre zum Beispiel die Entwicklung der fortschreitenden Resistenzen bei Keimen und die Auswirkungen auf den Volksgesundheitszustand im physischen wie psychischen Bereich, insbesondere auch mit Blick auf  die Alterstruktur und die Kosten der Demenzentwicklung. Unter Einbezug der Kosten aller entstehenden Nebenwirkungen ist Fleisch auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht zu erzeugen.  

 

Edgar Guhde

April 2011

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