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Warum eine so gute Sache wie Tierschutz eine so mühselige, schweißtreibende Arbeit ist

November 2008


 
Das Paradies, in dem Menschen und Tiere nicht nur friedlich neben- sondern sogar miteinander lebten, liegt weit hinter uns. Damals ließen sich die Menschen von den Tieren sogar (falsche) Ratschläge geben: Adam und die Schlange! Zwar wurden wir aus dem Paradies vertrieben, aber die Tiere haben uns damals begleitet, was man an Noah und seiner Arche erkennen kann. „Nicht ohne meine Tiere!“ hieß es damals und wieder waren es Tiere (Taube), die Noah das Ende der Sintflut verkündeten!  Zu Füßen des Heiligen Hieronymus lag ein Löwe und die Evangelien kannte man unter Tiersymbolen. Noch die lateinisch schreibenden Philosophen des Mittelalters hatten ein Bewusstsein von der Gemeinschaft des Menschen mit den Tieren, sprachen sie doch vom Menschen als dem „animal rationale“, dem vernunftbegabten Tier. Die großen Geister der Zeit waren sich nicht zu schade, ihre Liebe und Verantwortung für die Tiere offen zu zeigen. So bewunderten die Zeitgenossen den heiligen Franziskus, der seine ererbten Reichtümer hinter sich gelassen hatte, um ein gott- und menschengefälliges Leben zu führen, wenn ihn die Liebe zu den Tieren dazu brachte, sogar den Fischen zu predigen. Jahrhunderte lang waren es die Bauern, die im Bunde mit den Tieren, denen sie richtige Namen gaben, die Nahrung für die Menschen sicherten. Die Zitzen der Mutterkuh teilte sich das Kalb mit den gefühlvollen Händen der Bäuerin. Geschlachtet wurde auf dem Hof und nur, um Vorräte für lange Zeiträume zu bilden. Tiere in Not konnte man auf diesen Höfen unterbringen.

Die Schlachthöfe und Tierschutzheime sind Geschwister des aufkommenden Kapitalismus mit seiner Fabrikkultur. Das war die Zeit der beginnenden und dann immer tiefer gehenden Entfremdung, einer Entfremdung zwischen den Menschen auf dem Land und in den Städten, zwischen Arm und Reich, zwischen oben und unten, zwischen zugehörig und nicht zugehörig, zwischen Tiernutz und Tierschutz.

Gemessen an dem Leid, das die technische und kapitalistische Kulturentwicklung über die Tiere gebracht hat, kann von einer ganzheitlichen Kultur des Menschen, in und von einer gelebten Kultur in der vom Menschen beherrschten Natur nicht mehr die Rede sein und mit der Fließbandproduktion in den Fabriken, mit der Entwicklung der Großstädte, den Kranken-, Irren- und Waisenhäusern, den Gefängnissen und Schlachthöfen, den Brotfabriken und Molkereien war die Gemeinsamkeit von Menschen und Tieren endgültig zu einem Ende gekommen. Und so wie für die Kranken die Krankenhäuser, für die Behinderten die Krüppel- und Irrenhäuser, für die Unangepassten die Gefängnisse, für die Entwurzelten die Armenhäuser, die Nachtasyle und Suppenküchen eingerichtet wurden, haben dann die Obdachlosen sich der  herrenlosen Tiere erbarmt und einige Wohlgesinnte sich der geschundenen Tiere erinnert und Tierasyle und Tierschutzvereine gegründet.

Von dort bis zur Verantwortung für die Tiere in unseren Tagen ist es noch ein gewaltiger Sprung, weil nicht nur das Leiden der Tiere gewaltig zugenommen, sondern zum Glück auch das Denken und Nachdenken einiger und einer zunehmenden Zahl von Menschen zugenommen hat und wir begonnen haben, uns der Anfänge einer Gemeinsamkeit, einer Solidarität und Koalition mit den Tieren aus den Anfängen der Welt, des Lebens und der Natur zu erinnern. Heute wächst die Zahl derer, die die Tier-Caritas zugunsten eines ganzheitlichen Lebens-, Natur- und Weltbegriffes hinter sich lassen wollen, die für die Tiere fordern, was sie auch für sich selbst fordern: ein artgerechtes schmerzfreies Leben in größtmöglicher Freiheit, für die Tiere nach den Gesetzen der Natur, für die Menschen ein selbstbestimmtes Leben in den Grenzen der Gesetze und der Menschenrechte.

Nun weiß jeder Mensch, wie schwer es ist ein selbstbestimmtes Leben für sich selbst zu erkämpfen, in den Widrigkeiten des Lebens Anerkennung seiner Rechte zu erlangen oder zu behaupten! Das hängt im Wesentlichen mit der Vereinzelung, mit dem Verlust des Gemeinschaftsbewusstseins unter den Menschen zusammen. Wir müssen für unsere Rechte kämpfen! Das ist manchmal schwer genug. Da bleibt wenig Einsicht und Elan für einen Kampf um Recht und Gerechtigkeit für die Tiere.

Wenn wir eine Bilanz ziehen zwischen unseren Anstrengungen für eine Verbesserung der Tierschicksale und den Erfolgen, die wir dabei erringen, so fällt das Ergebnis beschämend gering aus. Wer dächte dabei nicht an die Echternacher Spring- prozession: drei Schritte vor und zwei zurück! Wie viele Stunden Demonstrationen und Mahnwachen, wie viele Aufrufe, Briefe, Telefongespräche und E-Mails gegen die Verdinglichung der Tiere aus wirtschaftlichem Interesse, gegen Gedankenlosigkeit oder Pflichtvergessenheit der amtlichen Hüter des Tierschutzgesetzes: Mancher Amtstierärzte, Staatsanwälte oder Richter. Mühselig errungene Siege zugunsten minimaler Rechte der Tiere (Verbot der Käfighaltung von Hennen, Aufnahme des Begriffes Tierschutz in unsere Staatsverfassung etc.) sind in kurzer Zeit durch Profitlobbyisten oder Gerichtsentscheidungen, die den Verfassungsauftrag zum Tierschutz schlicht ignorierten, durch politische Fehlentscheidungen ausgelöscht und unwirksam gemacht worden. Währenddessen nimmt das Ausmaß unserer Kenntnis von Tierverachtung, Plünderung tierischer Lebensräume, furchtbarer Tierquälereien in aller Welt durch Medienberichterstattung und Internet so sehr zu, dass man sich 24 Stunden am Tage nur mit Protestbriefen, Aufschreitelefonaten oder Demonstrationen befassen müsste, wollte der Tierfreund seinen Gefühlen der Verantwortung und Solidarität für und mit den Tieren einen gebührenden Ausdruck verleihen. Die Tierschutzvereine können dabei unsere Verzweiflung kaum aufhellen.

Was gilt es in dieser Situation zu tun? Wir müssen weiterlaufen wie die Marathon-Läufer auf den letzten Kilometern und Kinder und eine Jugend heranziehen, die Tiere liebt und achtet wie ihresgleichen. Die junge Generation muss lernen, den Tieren in die Augen zu sehen und darin sich selbst wiederzufinden. Sie müssen lernen, das höchste Gebot des Christentums in neuer Weise zu verinnerlichen : „Du sollst Deinen Nächsten lieben (wie) als Dich selbst“ und in den Tieren, denen sie (hoffentlich!) begegnen, einen „Nächsten“, ein Lebewesen erkennen, das auf unsere Solidarität nicht nur angewiesen ist, sondern diese auch deshalb verdient, weil unser Leben ohne das der Tiere nicht denkbar ist!

Wilfrid M. Jores

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