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Aufruf zur Beteiligung an einer organisationsübergreifenden Heimtierinitiative

August 2003

 

"Wildtiere gehören in die Natur - domestizierte Tiere in Menschenobhut!"

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde,

nach einer Fachtagung haben wir am 31. 05. d.J. die Heimtierinitiative gegründet. Ziel dieses Schreibens ist es, Ihnen unsere Ziele und Forderungen näherzubringen und Sie zu bitten, unsere organisationsübergreifende Arbeit zum Schutze von ca. 150 Millionen Mitlebewesen in Deutschland zu unterstützen und im Rahmen Ihrer Möglichkeiten bekanntzumachen.

Als politische Tierschützer eint uns das Bestreben, die Rechte und Bedürfnisse der Tiere in unserer von menschlichen und wirtschaftlichen Interessen dominierten Gesellschaft gegenüber der Politik und Gesellschaft zu vertreten. Wir alle streben eine Gesellschaftsordnung an, die den Anthropozentrismus (die Erhöhung des Menschen über die Tiere) überwindet und der Tatsache Rechnung trägt, dass wir Menschen diesen Planeten mit zahlreichen anderen Lebensformen teilen. Wo nichtmenschliches Leben Vitalinteressen aufweist, ergeben sich für uns Menschen Pflichten. Wir können nicht mehr länger die Tiere rücksichtslos und brutal ausbeuten - da sind wir uns alle einig. Allerdings müssen wir uns fragen, welche Faktoren mit dazu beigetragen haben, dass das Mensch-Tier-Verhältnis sich dermaßen verschlechtert hat.

In den Industrieländern entwickelt sich die Beziehung der Menschen zu den Tieren im wesentlichen an den sogenannten Heimtieren. Heimtiere leben in Deutschland jenseits von Recht, Gesetz und Öffentlichkeit in der durch Artikel 13 Grundgesetz abgeschotteten Privatsphäre. Heimtierhalter sind i.d.R. Laien. Der Löwenanteil der Heimtiere hingegen besteht aus Tieren wildlebender Arten, deren artgemäße Haltung nicht ohne fundiertes Fachwissen möglich ist. Jene domestizierten Tierrassen, wie Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäuse und diverse Vögel wie Wellen- und Nymphensittiche, Zebrafinken und Kanarien, sind u.E. für die Heimtierhaltung geeignet, was jedoch hinreichende Beratung der Halter erforderlich macht. Die Artenvielfalt im Heimtierbereich jedoch ist gegenwärtig gigantisch. Tiere aller Stämme und Arten, von der Koralle über Gliedertiere bis hin zu Fischen, Reptilien, Vögeln und Säugern, sind im Zoohandel erhältlich und verschwinden hinter den Wohnungstüren - meist auf Nimmerwiedersehen. Eine ständig wachsende Heimtierindustrie heizt, gemeinsam mit Zoohandels- und Heimtierhalterverbänden, das Bedürfnis an, immer mehr Tiere und immer exotischere Arten und Rassen anzuschaffen und zu Hause, meist zwischen Fernseher und Stereoanlage, im Hobbykeller oder auf dem Balkon, unterzubringen. Die meisten dieser Tiere fristen ein erbärmliches Dasein unter völlig falschen und beengten Haltungsbedingungen und oft in Einzelhaft. Vernehmbar ist dieses Elend kaum, denn die betroffenen Tiere sind meist stumm, oder aber ihre Lautäußerungen werden von den zumeist nur emotional urteilenden Haltern oder Nachbarn fehlinterpretiert. Die Tiermedizin ist kaum in der Lage, Wildtieren und Exoten gerecht zu werden, zumal das "Wegwerfen" der erkrankten Tiere oft billiger ist als die Behandlungskosten. Auch Tierschutz und Tierheime sind weder qualifiziert noch verfügen sie über die nötigen Haltungseinrichtungen, solche Tiere artgemäß aufzunehmen, zu pflegen und weiter zu vermitteln (vom Regen in die Traufe). Werden tierwidrige Haltungen bekannt, so erfolgt eine Beschlagnahmung oft schon deshalb nicht, weil der Amtstierarzt das Ausmaß der tierwidrigen Umstände mangels Know-how nicht beurteilen kann, oder aber weil er keine alternative Unterbringungsmöglichkeit zur Verfügung hat.

Aus all dem folgt, dass dringender tierschutzpolitischer Handlungsbedarf besteht, denn so, wie der Einzelne mit seinem Tier umgeht, so geht die Gesellschaft mit der Tierwelt um.

Tatsache ist, dass der Anteil jener, die auf der Haltung von solchen Tieren bestehen, noch immer eine Minderheit ist. Unsere nachfolgend aufgeführten Forderungen sind nicht nur vernünftig und pragmatisch, sie sind vor allem auch mehrheitsfähig, so dass uns weder die Politik, noch die Medien vorwerfen können, wir stellten utopische und deshalb nicht machbare Forderungen auf.

Vielleicht ist das neue politische Tierschutzthema "Zoohandel / Heimtierhaltung" dazu geeignet, der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung endlich einmal ein Erfolgserlebnis zu verschaffen, das in weiten Teilen unserer Bewegung auch die Lust aufkeimen lässt, wieder aktiv zu werden, weil man eben doch auch etwas erreichen kann. Schließlich handelt es sich bei den "Heimtieren" um die nach den landwirtschaftlichen Nutztieren zweitgrößte Nutztiergruppe in unserer Gesellschaft. Gründe, sich diesen Tieren anzunehmen, gibt es also mehr als genug.

Unsere Forderungen und Ziele:

1. Erlass hinreichender gesetzlicher Bestimmungen zum Schutz der sogenannten Heimtiere.
Dieses Gesetz soll exakt klarstellen, welche Tierarten und -rassen gehandelt und gehalten werden dürfen. Die Bedingungen beim Handel, Import, Transport sowie bei der Haltung und Zucht sollen darin definiert werden. Auch eine Tierschutzabgabe soll dergestalt geregelt werden, dass die Anzahl der gehaltenen Tiere und die Frage, ob diese vermehrt werden, die Höhe der Abgaben bestimmt, die ihrerseits in die Finanzierung von Tierschutzeinrichtungen und -maßnahmen fließen sollen.

2. Hierzu bedarf es einer konkreten Auflistung von jenen Tierarten, die von Laien im privaten und gewerblichen Sektor gehalten werden dürfen (Positiv- oder Erlaubnisliste). Wir fordern eine Reduzierung der Artenvielfalt im Heimtiersektor auf ausschließlich domestizierte, nicht abnormitätsgezüchtete Heimtierrassen. Auch das leidige Thema Qualzucht wäre also mit inbegriffen.

3. Da durch die Reduzierung der Artenvielfalt eine überschaubare Anzahl domestizierter Tierarten übrigbleibt, wäre der Gesetzgeber dann überhaupt erst in der Lage, konkrete Haltungsverordnungen zu erlassen. Diese sollen exakt die artspezifischen Bedürfnisse der als Heimtiere zugelassenen Rassen bezüglich ihrer artgemäßen, verhaltensgerechten und hygienegerechten Unterbringung, Pflege, Versorgung und Ernährung bestimmen.

4. Aus Gründen des Tier-, aber auch des Verbraucherschutzes ist es dringend geboten, eine unabhängige Kontrollinstanz zu schaffen, die das mannigfache Zubehör der Heimtierindustrie daraufhin überprüft, ob es zur artgemäßen Haltung von Tieren erforderlich und zweckdienlich ist. Wir schätzen, dass mind. 80 % der Zubehörprodukte der Heimtierindustrie nicht nur unnötig, sondern vielmehr sogar schädlich für die zu haltenden Tiere sind und völlig überteuert verkauft werden. Dem Halter wird somit vorgemacht, er hätte sich das Wohl seiner Tiere etwas kosten lassen, woraus dieser ableitet, dass es deshalb auch artgemäß wäre. Tierschutzwidriges Zubehör soll grundsätzlich verboten werden. Zunächst soll ein bundeseinheitliches Gütesiegel ausweisen, welche Produkte tiergemäß sind.

Wir bitten Sie, unsere Bemühungen ideell, fachlich und - wenn möglich - auch finanziell zu unterstützen und uns Ihre Solidarität schriftlich zu bestätigen. Auch Anregungen und Ideen sind uns willkommen. Ihr Einverständnis vorausgesetzt, werden wir gerne die Solidarität Ihrer Organisation der Heimtierinitiative gegenüber öffentlich bekanntgeben.

 

Mit solidarischen Grüßen

Heimtierinitiative

Peter H. Arras, AKT gGmbH
Henner Müller, arche 2000 e.V.
Edgar Guhde, PAKT e.V.

 

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